StartseiteBerichteMusikzug20.09.2009 Musikzug zieht nach Montmartre und versenkt die Titanic

20.09.2009 Musikzug zieht nach Montmartre und versenkt die Titanic

Vor dem gemeinsamen Herbstkonzert des Männergesangvereins Einigkeit und des Musikzugs Niddatal war die große Frage, welcher der Solisten des Gesangvereins diesmal zum Einsatz gelangen würde. Tenor Stefan Koschorr überzeugte in der Baritonlage schon vor der Pause und gestaltete danach einfühlsam das »Wolgalied« aus Franz Lehärs »Zarewitsch« als tief verlassener heimatferner Kaichener, der sich in der Fremde nach dem Krebsbach und dem Hainwald sehnt.
Lothar Lösch moderierte und begeisterte im zweiten Set mit Couplets und Wienerliedern das Publikum, das den Weg in den Bürgerhaussaal gefunden hatte.

Von Marvin Gauger am Klavier begleitet, versicherte er im Dialog mit Barbara Helf getreu nach Paul Misski kreuzbieder, es sei ja daheim »Nichts von Bedeutung« geschehen, Während sich tatsächlich daheim herzerweichend die Katastrophen türmten. Lösch ließ heitere Lieder aus der Donaumetropole folgen und versicherte am Ende mit Karl Föderl so stimmig wie treuherzig, das gesamte Weltgeschehen habe für ihn wenig Belang und nichts könne ihm etwas anhaben, denn »Mei Alte sauft so viel wia i«.

Der Männerchor entwarf unter Leitung von Volker Bernhart trauliche Naturszenarien. Liebe und Sehnsucht bestimmten Silchers »Schifferlied« und das »Gebet im Gebirge« von Giuseppe de Marzi, in dem eines tragischen Unglücks unterm Gipfel gedacht wurde. Das Publikum hatte sein Vergnügen an dem in allen Stimmlagen gut besetzten Männerchor, verfolgte gespannt Stefan Koschorrs erstes Solo zu »My Lord, what a morning« und ließ sich mit »Die Dämmerung fällt« von Wolfgang Lüderitz in die Wandervogelzeit des frühen 20. Jahrhunderts versetzen.

Die Musikzüge zogen unter Leitung von Alexander Gröb zum Montmartre und beschworen das dortige Ambiente. Nach dem turbulenten Stück setzte das Orchester mit dem Liebeslied »Autumn leaves« von Josef Kosma melancholi-sche Akzente. Friedrich Silcher bestimmte dann weiter das Programm der Einigkeit. Zum »Waldhorn« des Männerchors blies Alexander Gröb hinterm Vorhang und überzeugte die Gäste von »des Waldhorns süßem Klang«. Koschorr setzte mit dem Solo »Ach, ich hab in meinem Herzen drinnen« das emotionale Programm fort, besang einleuchtend das einsame Wandern, das gleichzeitige Lieben und erntete stürmische Ovationen. Hermann Dostals Ballonfahrerlied aus der Operette »Der fliegende Kittmeister« brachte Fernsicht, Freiheit hoch überm Hainwald und einschlägige meteorologische Turbulenzen. Der Konzertwalzer »Blumengeflüster« säuselte ungleich beschaulicher übers Parkett, auch wenn mittendrin gestandene Obstbäume mitswingten. Mit der mährischen Polka »Pro Jitku« wurde das Publikum in die Pause entlassen. Wein- und Liebeslieder und eine Hommage an George Gershwin bestimmten den zweiten Teil. Ein Wirt, der mit doppelter Kreide schreibt, wurde besungen und entlarvt, wobei die kussfreudige Wirtstochter Trost gewährte.



Weitere Sehnsuchtkonstellationen wurden beherzt durchgespielt und abgearbeitet, dann ließ der Musikzug Filmmusik von John Williams folgen und erinnerte an Robert Stolz. Als dann auch noch die Titanic glücklich und tränenreich versenkt war, boten beide Ensembles »My secret lovesong« unterm Jubel des Publikums als Zugabe dar.

Freunde der Musikzüge und des Männergesangs können beim gemeinsamen Konzert der Bläser mit der Heimatliebe Ilbenstadt am Sonntag, 25. Oktober, 17 Uhr, im Bürgerhaus Ilbenstadt erneut ihre Freude haben.

 

Quelle: Wetterauer Zeitung vom 23.09.2009 (udo)